warum

Klavierspielen und der größere Zusammenhang


Die Strahlkraft der Musik:

Musik ist etwas göttliches, mit dem ich mich verbinden kann und dadurch über mich selbst hinauswachsen kann. Dieses „über sich selbst hinauswachsen“ erzeugt ein Gefühl von Geborgenheit und Frieden. Dabei existiert kein Vergleich mit Anderen. Keine Konkurrenz.
Mein Ego verschwindet und ich werde zum Übermittler von Freude.
Ich öffne mich für die Zuwendung der Menschen in meiner Umgebung und bin dabei gleichzeitig nicht auf der Jagd danach. Diese Jagd würde mich davon abhalten unabhängig zu sein. Aber nur die unabhängige Strahlkraft ist interessant.
Ich befinde mich auf dem Weg zu diesem Ziel und kann dabei den Ängsten, die mich behindern nach und nach immer größere Entschlossenheit entgegensetzen.
Keith Jarret sagt: „Musik ist der Wunsch nach einer Ekstatischen Beziehung zum Leben.“ Ekstase ist Leben, Freude, Auflösung des Egos und Hingabe an Gott


Was ich von meiner Musik lerne:

Ich erlebe, daß viele musikalische Probleme mir auch im Alltag begegnen.
Ich beziehe also Musik und Alltag aufeinander. Das liegt sicher daran, daß ich Musiker bin.
Ein Bäcker würde sicher die Anforderungen seiner Backkunst im Alltag wiederfinden.


1: Pausen

Pausen spielen in der Musik eine wichtige Rolle. Sie geben die Gelegenheit, das gerade eben gehörte etwas einwirken zu lassen, ihm etwas nachzuspüren und eventuell gefallen daran zu finden. Pausen schonen meine Auffassungsgabe. Ich finde es angenehm, wenn der Happen, den ich zu verdauen habe nicht zu groß ist. Und wenn die Pause länger wird, hat Sie noch eine weitere angenehme Wirkung, denn Sie erzeugt den Wunsch nach mehr.


2: Dissonanzen

Dissonanzen können für sich allein genommen als unangenehm empfunden werden. Doch würde uns Musik ohne Dissonanzen recht fade erscheinen. Denn wir finden sie schön, diese scharfen, schrillen Klänge. Sie sind wie das Salz in der Suppe. Außerdem ist die Wirkung der Dissonanz sehr stark von der Position im Kontext abhängig. Ob sie nur auf dem Weg erscheint, oder das Ziel der Bewegung ist, bestimmt die Wirkung.


3: Zärtlichkeit

Zärtlichkeit fragt nach dem Gegenüber: Wie findest du das? Gefällt es dir? Das Gegenüber kann aber auch ich selbst sein, in dem Moment, in dem ich mir selbst zuhöre. Zärtlichkeit ist der Weg, mich von zerstörerischem Druck zu befreien und Schönheit hervorzuzaubern. Ein Zitat von Barry White: „Music is the woman I'm trying to please“.


4: Genügsamkeit

Angenommen ich würde neben dem berühmtesten Musiker der Welt auf der Bühne stehen, wäre Genügsamkeit meine Rettung, denn ich wäre in der Lage mich zu akzeptiern und zu mögen. Genügsamkeit ermöglicht Zufriedenheit und Wohlbefinden.
Genügsam mit sich zu sein, bedeutet sich wertzuschätzen. Genügsamkeit gegenüber den Tönen des Klaviers hat Thelonius Monk so formuliert : „ There are just 12 tones. You must treat them carefully.


5 : Entscheidungen

Mir ist eine Grundhaltung wichtig, bei der ich bewußt selber entscheide, wie die Musik ausgeführt wird. Dadurch bringe ich mich selber in die Musik ein und sie wird authentisch.
Außerdem ist Wissen von Bedeutung. Je mehr Wissen ich habe, umso größer ist die Auswahl an Möglichkeiten zwischen denen ich mich entscheiden kann, um die eine passende Möglichkeit zu finden.


6 : Unvorhersehbarkeit

Wenn ich improvisiere, entscheide ich mich dafür mein Spiel nicht völlig festzulegen.
Vielmehr spiele ich etwas, was ich vorher noch nie so gespielt habe.
Dabei vertraue ich darauf, daß die musikalische Energie mich trägt und finde den Mut etwas auszuprobieren, was auf meinem Weg erscheint.
Ich bin frei und meine Seele wächst. Ich entscheide mich aktiv, mich passiv hinzugeben.
Ich vergleiche meine Art Musik zu machen mit Vögeln, die sich vom Wind tragen und sich von ihm überraschen lassen.


7 : Lernen

Ich empfinde großes Glück über mein Wissen darum, wie ich etwas lernen kann. Durch meine Arbeit als Klavierlehrer ist Lernen für mich ein zentrales Thema. Ich danke meinen Schülern für die Anregungen, die ich durch sie erhalte. Wenn ich nicht gut vorwärts komme, erinnere ich mich daran, was ich meinen Schülern rate. Ich sehe die Arbeit, die verrichtet werden muß und an der kein Weg vorbei führt. Das klingt anstrengend, aber es ist mir wirklich eine Freude diese Arbeit geduldig und ausdauernd auszuführen, denn ich kann die Wirkung unmittelbar spüren.